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Ausstellung UNTER TAUSEND

Kunst-Schnäppchen in der Galerie Schloss Parz

Noch vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Unter Tausend“ (unter 1.000 Euro) am Freitagabend standen viele Kunstinteressierte vor der Galerie Schloss Parz in Grieskirchen Schlange. Die Kunst-Schnäppchen von 29 renommierten und jungen Künstlern waren heißbegehrt.

Die Galerie in Grieskirchen will mit dieser Ausstellung zum einen ein jüngeres Publikum ansprechen, zum anderen aber auch langjährigen Kunstsammlern entgegenkommen. Und so hängen in den herrschaftlich, hohen Räumen des Wasserschlosses Werke von berühmten, neben noch ganz jungen, aufstrebenden Künstlern. Keine Arbeit kostet mehr als 1.000 Euro, so Galerieleiterin Barbara Wetzelmair im Gespräch mit ORF-Redakteurin Isabella Minniberger.

Auf Auktionen und in Galerien müsste man vermutlich wesentlich tiefer in die Tasche greifen, um eine original Arbeit von Christian Ludwig Attersee mit nach Hause zu nehmen. Eine typisch „gekämmte“, abstrakte Arbeit von Jakob Gasteiger oder die leuchtend roten Gemälde von Maria Moser erhält man wohl auch kaum sonst wo unter eintausend Euro.

Entgegenkommen der Künstler

Die Künstlerinnen und Künstler haben sich bereitwillig auf das Experiment eingelassen, so Wetzelmair. Eine "freundschaftliche Geste, denn mit vielen Künstlern verbinde die Galerie eine jahrelange Zusammenarbeit.

Malerei, Druckgrafik, Marmor und Seide

Die ausgestellten Arbeiten zeigen einen Querschnitt zeitgenössischen Kunstschaffens. Peter Niedertscheider, geboren 1972 in Lienz, hat die Meisterklasse bei Alfred Hrdlicka und der diesjährigen Biennale-Teilnehmerin Brigitte Kowanz an der Hochschule für angewandte Kunst absolviert. Von ihm ist ein Flachrelief aus Marmor ausgestellt.

Der Chinese Chen Xi malt auf Seide und Papier. Briefkuverts, die er mit Graphit, Gold, Kohle und Aquarell übermalt, verwendet der in Linz lebende Künstler Robert Oltay.

Wegwerfmaterial im Museum

Ulrich Weibel aus Ried im Traunkreis arbeitet auf Tetrapak–Verpackungen. Seine Werke findet man auch in der Albertina in Wien und in der Sammlung des Lentos Kunstmuseum Linz. „Roses“ heißt die Kohle und Tusche-Arbeit von Isa Stein. Lena Göbel, 1983 in Ried im Innkreis geboren, hat ihre „Zwideren Vogerl“ - überarbeitete Holzschnitte - beigesteuert.

Lithographien von Hubert Schmalix und Gunter Damisch sind genauso in der Ausstellung zu finden, wie eine Radierung von Othmar Zechyr und Mischtechniken von Wolfgang Stifter, Mathias Kloser und dem in Peuerbach lebenden Manfred Hebenstreit.

Mit breiten Pinselstrichen, Harz und Öl arbeitet Robert Schuster. Valentina Wecerka, geboren in Bulgarien, hat bei Christian Ludwig Attersee studiert und die Meisterklasse Textil in Linz absolviert. Sie hat einen Text aus dem Tagebuch der Anne Frank als Grundlage für eine ihrer Arbeiten verwendet.

Die Ausstellung „Unter Tausend – Best Art Best Price“ ist bis 18. Juni in Grieskirchen zu sehen.

der ganze Artikel unter http://ooe.orf.at/radio/stories/2841628/

 

 

Kein Kunst-Ausverkauf

Ist am Tag nach der Vernissage mehr als die Hälfte der Werke verkauft, hat eine Galeristin etwas richtig gemacht.

Das Konzept von Barbara Wetzlmair, seit einem knappen Jahr künstlerische Leiterin der Grieskirchner Galerie Parz, funktioniert: Alle derzeit ausgestellten Werke kosten unter tausend Euro. Wetzlmair möchte den Besuchern so die Hemmschwelle nehmen, Kunst zu kaufen.

Aber: "Es ist mir wichtig, dass die Ausstellung nicht als Flohmarkt betrachtet wird", sagt sie. "Es sind kaum Sonderangebote dabei." Tatsächlich überrascht es, wenn Werke von Gunter Damisch, Hubert Schmalix oder Jakob Gasteiger nur um die 400 Euro kosten.

Bei ersteren beiden ist der Preis durch die Technik (Lithografie), bei letzterem durch das kleine Format (20x20) zu erklären. Naturgemäß finden sich in der Ausstellung vorwiegend kleine Formate, Arbeiten auf Papier und Druckgrafik. Beteiligt sind arrivierte ebenso wie junge Kunstschaffende. Die Kärntnerin Assunta Abdel Azim Mohamed wurde 1993 geboren, der Oberösterreicher Alois Riedl 1935. Die großen Räume bieten allen Werken den ihnen gebührenden Platz. Einige Künstler nahmen "Unter Tausend" zum Anlass, eigens Arbeiten anzufertigen. So auch Christian Ludwig Attersee, neben dessen 12 Bildern der rote Punkt für "verkauft" klebt.

 

"Unter Tausend" ist durch die stimmige Hängung keineswegs ein künstlerischer Ausverkauf, sondern eine gelungene Präsentation österreichischen Kunstschaffens. Das Kaufen steht dabei gar nicht im Vordergrund. (hw)

 

Ausstellung: "Unter Tausend", bis 18.6., Galerie Schloss Parz, Grieskirchen. Sa, So 14-17 Uhr.

 

 

AUSSTELLUNG 1:1 JAKOB GASTEIGER I FRANZ JOSEF ALTENBURG

18.2. - 22.4.2017

 

Neue Ausstellung "1:1": Galerie Schloss Parz gibt den "Ton" an

 

 

Galerie Schloss Parz | An den Werkstoffen Ton und Acrylfarbe kommt man bei der neuen Ausstellung in der Galerie Schloss Parz nicht vorbei. Mit Jakob Gasteiger und Franz Josef Altenburg hat sich die Galerie zwei Künstler nach Grieskirchen geholt, die als Vorreiter der Gegenwartskunst in Österreich gelten.  

 

Gasteiger setzt bei seinen Arbeiten auf Acrylfarbe und Kammspachteln, wodurch seine Arbeiten zwei- und dreidimensionalen Strukturen erhalten. Altenburg verlässt sich auf Hände, Ton und Töpferscheibe – dadurch enstehen gitterartige Rahmenobjekte und häuserähnliche Gebilde. Die erste gemeinsame Ausstellung "1:1" der beiden befreundeten Künstler zeigt minimalistische Arbeiten aus Ton sowie monochrome Acrylmalerei. Verbunden werden die einzelnen Werke der beiden durch die reduzierte Ästhetik, die jeweils einen neuen Blick auf das Werksmaterial schenkt.

 

3.2.2017 Julia Mittermayr


 

Gemeinsamkeiten zwischen tiefen Rillen und hohen Türmen

Jakob Gasteiger (l.) und Franz Josef Altenburg neben ihren Werken. Bild: jule

 

Maler Jakob Gasteiger und Keramikkünstler Franz Josef Altenburg zeigen ihre Werke in der Galerie Schloss Parz.

 

Zwei Freunde, die ihre Werke in einer gemeinsamen Ausstellung präsentieren: Nachdem das in der Galerie Schloss Parz beim "Doppel" von Bildhauer Erich Wurm und Maler Christian Ludwig Attersee ausgezeichnet funktioniert hat, lassen nun der Maler Jakob Gasteiger und der Keramikkünstler Franz Josef Altenburg in den historischen Mauern nahe Grieskirchen unter dem Titel "1:1" ihre Kunstwerke miteinander in Beziehung treten.

 

"Dass er sehr gut im Umgang mit dem Material Ton ist und ein großes Wissen über Glasur und Keramik verfügt", schätzt Gasteiger (64) an seinem Freund, "dass er zugreift, und dann ist es da", fasziniert Altenburg (76) umgekehrt.

 

Die fast spürbar haptische Qualität, das (beinahe) dreidimensionale, der Fokus auf die Handwerklichkeit, verbindet die Werke. Gasteiger arbeitet seit den 1980er Jahren mit Schwerpunktsetzung auf Malerei. Derzeit ist seinen Werken eine Einzelausstellung im Salzburg Museum gewidmet. Der gebürtige Salzburger lebt in Wien und im Weinviertel und schafft auf seinen meist großformatigen Bildern das Organische des Materials in den Vordergrund zu holen: Er trägt Acrylfarbe oder ein Gemisch aus Acryl und Aluminium auf und zerteilt es mit Kammspachteln in geordnete geometrische Muster. Die Farbigkeit ist dabei Folge und nicht Anliegen. Den Betrachter nehmen die groben Rillen auf immer neue Entdeckungsreisen mit. Nicht zuletzt die ästhetische Komponente seiner Werke zieht in ihren Bann.

 

Ton in einfachen Konstruktionen

Sehr persönlich muten die Kunstwerke von Franz Josef Altenburg an. Er wurde in Bad Ischl geboren, heute schafft er seine Werke in Breitenschützing. Er türmt und baut, schachtelt und stapelt Ton in unterschiedlichen, zumeist sehr einfachen Konstruktionen,die dann erst durch die Glasur im Brand zu ihrer endgültigen Form verschmolzen werden. Seit 25 Jahren verbindet die beiden Künstler eine Freundschaft, die sich durch regelmäßige Treffen und Telefonate, in denen man "sich auf Diskussionsebene mit den Werken der Kollegen auseinandersetzt", auszeichnet. Doch so unterschiedlich, wie ihr Zugang zur Kunst ist auch ihre Wahrnehmung der Welt. "Jakob ist jung, reich und schön und ich bin alt und hatschert", sagt Altenburg und lacht.

 

22.2.2017, Julia Evers

 


 

 

AUSSTELLUNG "DOPPEL" CHRISTIAN LUDWIG ATTERSEE | ERWIN WURM

15.10.2016 - 22.01.2017

 

 

Wurm und Attersee: Zwei Kunst-Kapazunder erstmals im "Doppel"

Die Galerie Schloss Parz in Grieskirchen zeigt Skulpturen von Erwin Wurm und Malereien von Christian Ludwig Attersee.

Sie sind seit Jahrzehnten befreundet, gemeinsam ausgestellt haben sie bis dato allerdings noch nie. Das ist seit diesem Wochenende anders. Gestern, Samstag, wurde in den Räumlichkeiten der Galerie Schloss Parz in Grieskirchen die Doppelausstellung von Christian Ludwig Attersee und Erwin Wurm in Anwesenheit der beiden Künstler eröffnet. Zuerst wurde aber im Vorfeld noch diskutiert, umgehängt und verschoben. Schließlich wollten ja beide Kunst-Kapazunder ihre Arbeiten bestmöglich präsentiert wissen.

Zusammenhang

Wie passt das eigentlich in ein "Doppel" – die fließenden, farbenfrohen Gemälde des hochproduktiven Attersee und die klaren, ironisch anmutenden und genau definierten Skulpturen von Wurm? Ob sich die Werke wirklich inhaltlich wirklich zusammenfügen, ist in den hohen, großzügigen Räumlichkeiten des Wasserschlosses gar nicht die Frage. Sie stören einander auf jeden Fall nicht und können auf großer Fläche harmonisch nebeneinander existieren und gezeigt werden.

Erwin Wurm steuert 14 Skulpturen bei, alle stehen auch zum Verkauf, die günstigsten beginnen bei 30.000 Euro. "Bei manchen Werken war noch ein wenig Überzeugungsarbeit nötig, Erwin Wurm hängt persönlich sehr an seinen Arbeiten", erklärt Barbara Wetzlmair, Leiterin der Galerie. Jede einzelne ist ein Hingucker, der nachwirkt, der zum Stehenbleiben einlädt, der Spaß macht. Etwa die beiden kopflosen Anzugträger in Grau, die unter dem Titel "Disorder" gestikulieren. Oder die lebensgroße Skulptur "Stressbeulen", die körperlich spürbar macht, wie sich Menschen in Drucksituationen fühlen – und was sie ausstrahlen.

Rund 60 Werke hängen von Christian Ludwig Attersee, alle heuer entstanden. Wiederkehrende Motive sind Tiere, Paare und die Elemente Luft, Wasser und Licht.

Die Ausstellung "Doppel" ist bis 22.1.2017 (immer Sa. und So. 14 bis 17 h) in der Galerie Schloss Parz zu sehen.

Mag. Claudia Stelzel-Pröll

16.10.2016

Zwei Staatskünstler in Grieskirchen

Zwei mit Auszeichnungen und Kunstpreisen hochdekorierte Staatskünstler sind derzeit in Oberösterreich zu sehen: Die Galerie Schloss Parz in Grieskirchen zeigt Skulpturen von Erwin Wurm und Malereien von Christian Ludwig Attersee.

Beide Künstler verbindet nicht nur eine langjährige Freundschaft, sondern auch die Teilnahme an der Kunstbiennale von Venedig: 1984 vertrat Christian Ludwig Attersee in Italien Österreich, Erwin Wurm wird den österreichischen Pavillon in der Lagunenstadt 2017 gestalten.

Erwin Wurm, Disorder

Schwierigkeiten bei der Biennale-Arbeit

Erwin Wurm steckt derzeit mitten in den Vorbereitungsarbeiten für die Kunstbiennale in Venedig, die am 13. Mai 2017 eröffnet wird. Und die Gestaltung des unter Denkmalschutz stehenden Josef-Hofmann-Pavillons erweist sich als überraschend schwierig.

„Affenartig blöd“

Mit den italienischen Behörden gebe es große Differenzen, so Wurm, exklusiv im Gespräch mit ORF-Redakteurin Isabella Minniberger: „Es ist ein Alptraum, noch nie habe ich eine Ausstellung gemacht, die so kompliziert ist. Ich möchte eine Skulptur drinnen im Pavillon und draußen im Garten aufstellen. Der Pavillon gehört der Republik Österreich, steht aber unter italienischem Denkmalschutz. Nun sollen die Giardini (Anmerkung, das ist die Gartenanlage, in der die internationalen Länder-Pavillons stehen) zum Weltkultururerbe erklärt werden. Seit heuer gibt es neue Bestimmungen, das italienische Denkmalamt unter neuer Leitung steht auf dem Standpunkt, dass die Kunst im Garten des Österreich-Pavillons nun störe. Das ist völlig absurd, denn dort wurden immer schon Kunstwerke gezeigt. Wir kämpfen richtig, damit meine Konstruktion, die in Russland, Deutschland und Österreich produziert wird, doch noch in Italien gezeigt werden kann. Das ist eine echte Prüfung und „affenartig blöd.“

Stressbeulen und gestauchte Häuser

Im Schloss Parz ist Erwin Wurm mit 14 Skulpturen vertreten. Darunter sind gestauchte Häuser und graue, kopflose Anzugträger zu sehen. Die blankpolierte Aluminium-Skulptur „Stressbeulen“ hinterlässt im Zeitalter von Burnout und steigenden Berufskrankheiten ein beklemmendes Gefühl beim Betrachten. Seine eigenwillig-ironische Arbeiten bilden einen spannenden Kontrast zu den üppigen Malereien seines Künstlerkollegen Attersee.

Der 1954 in Bruck an der Mur geborene Wurm hat für seine „One Minute Sculptures“ schon mit Ikonen wie Supermodel Claudia Schiffer zusammengearbeitet. Bekannt wurde er mit seinen skurril verformten Autos, Häusern und Figuren: „Ich versuche Fragen zu stellen und Sehgewohnheiten neu zu interpretieren. Und dabei löse ich oft Lachen aus, aber auch Ablehnung, da ist alles möglich.“

Erste gemeinsame Ausstellung

Attersee und Wurm verbindet eine lange Freundschaft. Erstmals stellen die beiden nun im Grieskirchner Wasserschloss gemeinsam aus. Die Ausstellung unter dem Titel „Doppel“ zeigt rund 60 farbprächtige Malereien von Christian Ludwig Attersee, der immer noch sehr produktiv ist.

Christian Ludwig Attersee und Erwin Wurm in der Galerie Schloss Parz

Er mache sich natürlich wie jeder Mensch Gedanken über die eigene Vergänglichkeit", sagt der 76-Jährige: „Ich lehne den Tod ab, ich sage wie Elias Canetti, Ich lebe ewig bis zum Tod, für mich ist die Liebe, die glückliche, naive erste Fassung der Liebe wichtig, und dann kann eine Freundschaft oder Kameradschaft daraus werden. Das ist erfüllend.“

Im Herbst ist Kunst-Erntezeit

In Attersees Arbeiten kommen immer wieder die Motive Wasser, Licht, Schiffe, Tiere und Menschen, aber auch Früchte vor. Diese stünden symbolisch für das Ernten und die Erotik und Sinnlichkeit im Leben: „Die Frucht und alle Lebensmittel verstehe ich sinnlich und erotisch besetzt, in Österreich werden wir ja von Beeren überwältigt, und daher sind sie Teil meiner Malerei.“

Christian Ludwig Attersee, KOPFKRIEG

Den Herbst bezeichnet Christian Ludwig Attersee als eine positiv besetzte Jahreszeit: “Der Herbst ist etwas ganz Spezielles, denn da kommt die ganze Kraft, die die Künstler im Sommer gesammelt haben, in die Öffentlichkeit. Es ist die Zeit des Brucknerfests, der Ars Electronica und der Vernissagen. Im Herbst passiert viel.“

Die Ausstellung „Doppel“ ist bis 22.1.2017 (immer am Samstag und Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr) in der Galerie Schloss Parz zu sehen.

Isabella Minniberger, ooe.ORF.at

"Ich brauche das Skurrile in diesem Land"

Erwin Wurm und Christian Ludwig Attersee, zwei Künstler von Weltrang, zeigen ihre Werke in Schloss Parz.

Seit mehr als 30 Jahren befreundet: Erwin Wurm (62) und Christian Ludwig Attersee (76) vor Schloss Parz. Bild: Weihbold

"Gute Kunst geht immer zusammen", findet Christian Ludwig Attersee. Und genau deshalb hat sich der Maler zu einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Bildhauer Erwin Wurm im Schloss Parz entschieden. Die OÖNachrichten sprachen mit den beiden Kunst-Kapazundern über Erfolg, Scharlatane und Humor.

 

OÖN: Wann haben Sie sich zum ersten Mal getroffen?

Wurm: Das ist Ewigkeiten her, das war in den späten 70er Jahren.

Attersee: Ich habe neben der Grinzinger Galerie gewohnt...

Wurm: Ich war ein kleiner Anfänger und er ein großer Star. Ich war ein kleines Würstel, das da herumgegangen ist und ihn bewundernd angeschaut hat.

Wie darf man sich denn eine Künstlerfreundschaft vorstellen?

Attersee: Eigentlich sprechen Künstler wenig über Kunst miteinander. Sondern darüber, worüber andere Menschen auch sprechen. Über Bücher, die sie interessieren, über den Alkohol, den sie trinken. Über familiäre Probleme und Krankheiten. Natürlich auch über ihre Karrierestationen. Das muss man aber dosiert ausgeben, damit der andere nicht neidig wird.

Vom kleinen Würstel hat sich Herr Wurm ja jetzt denkbar weit weg entwickelt ...

Attersee: Jetzt ist er ein sehr großes Würstel ...

OÖN: Gibt es Karrierestationen, die Sie ihm neidig sind?

Attersee: Nein, ich freue mich, dass er so großen Erfolg hat, das ist gerade als Österreicher nicht leicht. Man kann stolz sein, dass er diesen Platz gefunden hat in der europäischen und internationalen Kunst. In meinem Alter kann man nicht neidig sein. Ich bin 76, da ist vieles schon vorbei. Er fährt jetzt auf die Biennale, was wunderbar ist, ich bin halt schon 1984 auf die Biennale gefahren. Wir sind ungefähr 15 Jahre auseinander, aber es ist ein ähnliches Leben.

Haben Sie wechselseitig Werke voneinander?

Wurm: Ich hätte gerne eines. Wir haben schon darüber geredet, aber noch nie getauscht.

Attersee: Man muss tauschen.

Wurm: Nur kein Geld angreifen. Weil das geht sofort zur Steuer und in die Arbeit.

Herr Wurm, wie wichtig waren die "One-Minute-Sculptures" für Ihre Karriere?

Wurm: Einer der wichtigsten Punkte, wenn nicht der wichtigste. Das ist jetzt 20 Jahre her. Da kam plötzlich richtig internationales Interesse auf. Dann kamen auch die Red Hot Chili Peppers und viele andere.

Das "Red Hot Chili Peppers"-Video "Can‘t Stop" ist ausgewiesen als "inspiriert von Erwin Wurm". Wie kam es dazu?

Wurm: Die haben angerufen und wollten die One Minutes für ein Video verwenden. Dann haben wir Bedingungen ausgehandelt. Ich musste Einspruchsrecht haben, durfte Dinge raushauen, sie mussten natürlich zahlen und sie mussten mich crediten. Ich war einer der Ersten, wenn nicht der Erste, der auf MTV mit Namen genannt wurde, bis dahin haben sie die Ideen nur gestohlen. Das war MTV, auf der ganzen Welt, unglaublich.

Herr Attersee, Sie haben gesagt, es gebe zu viele Scharlatane unter den Künstlern. Wie erkennt man die Künstler unter den Künstlern?

Attersee: Ein Beispiel: In Holland hat man gesagt, man finanziert alle Künstler, das waren damals ungefähr 30.000 Menschen. Plötzlich haben alle Arbeitslosen auch Bilder gemalt. Das ist natürlich eine falsche Sicht dieses Berufes. Denn wir Künstler haben eine schwere Aufgabe. Wir müssen ununterbrochen in irgendeiner Form die Welt erneuern.

Humor ist für Sie beide in Ihrer Arbeit eine wichtige Zutat.

Wurm: Ich bin kein Witze-Erzähler. Viele Leute glauben ja, "haha, das ist lustig, was der macht". Als ich das erste dicke Auto gemacht habe, ging es nicht annähernd um einen Witz. Die Autos sind ein Problem, und in den 70er Jahren waren es die Autos der Bonzen, die dicken Autos. Das hatte seine bestimmte soziale Wertigkeit, die damals aus der linken Richtung kam. Ich bin in den 50ern und 60ern aufgewachsen, damals gab es sehr pathetische Kunst. Pathos macht die Menschen klein, weil sie vor Ehrfurcht schrumpfen vor diesem gewaltigen Weltentwurf. Ich glaube, dass man die großen, wesentlichen Fragen des Lebens nicht mit Pathos lösen sollte, sondern mit etwas anderem, etwas wie Leichtigkeit und Poesie.

Sie sind beide viel in der Welt unterwegs – was macht denn Österreich besonders?

Attersee: Der Attersee natürlich, mein Name. Ich war ja Österreichs wichtigster Segler drei, vier Jahre lang. Für mich war die Pubertät in Oberösterreich, Wasser und Wetter waren meine Lehrmeister, das sind die zwei großen Blau, die ich immer noch in mir trage. Ich verstehe die Erotik der Gegenstände, was ja fast niemand kann. Ein Schiff ist ja wie eine Frau, wenn man es segelt. Überhaupt die kleinen.

Wurm: Ich habe oft gedacht, ich möchte woanders sein, denn die Welt ist schön und groß und interessant. Aber letztendlich hat es mich immer wieder zurückgeführt. Ich glaube, ich brauche das Skurrile in diesem Land. Es ist ein Nährboden meiner Ideen.

 

Ausstellung "Doppel" geöffnet bis 22. Jänner, jeweils Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, galerieschlossparz.at

 oöN: Julia Evers

17. Oktober 2016

Erwin Wurm

In seinen „One Minute Sculptures“ posieren Personen mit Alltagsgegenständen auf unerwartete Weise, seine „dicken Autos“ und „dicken Häuser“ prangern Statussymbole an: Mit Kunstwerken wie diesen hat es der gebürtige Steirer Erwin Wurm in der internationalen Kunstwelt bis ganz nach oben geschafft. Werke von ihm kosten teilweise mehrere hunderttausend Euro. Die Skulptur „Liegen auf Elternhaus“ (36 mal 77 mal 42 cm) gibt es in Schloss Parz um 60.000 Euro zu erwerben.

Christian Ludwig Attersee

Der Maler, Bühnenbildner, Schriftsteller, Musiker und ehemalige dreifache österreichische Staatsmeister im Segeln, Christian Ludwig Attersee, wurde 1940 in Pressburg geboren. Im Alter von vier Jahren kam er nach Österreich, die Mittelschule besuchte er in Linz. Neben seinen farbstarken Bildern, die er beidhändig malt, sind vor allem auch seine Gegenstandserfindungen berühmt, zum Beispiel das „Speiseblau“ oder das „Attersteck“. Das „Selbstbildnis als Brief“ (44 mal 31,5 cm) gibt es um 5650 Euro